Frauenchaos und Männerkapriolen
Seit 18 Jahren gibt es Aufführungen des Drei-Flüsse-Theaters.
Das neueste Stück "Hier sind Sie richtig", von Marc Camoletti, das am
Freitagabend Premiere hatte, entpuppte sich als weiterer Erfolg.
Was los ist, wenn vier Frauen - Künstlerinnen - unter einem Dach wohnen,
kann sich jeder gut vorstellen. Wenn alle eine Zeitungsannonce aufgeben,
weil sie, jeweils für verschiedene Zwecke, Männer suchen, und keine
von der Annonce der anderen weiß, steht fest, daß das Chaos komplett
ist.
So ging es dann auch los, als die Klavierlehrerin Janine (Karin Schwarz)
auf Spartacus (Bob Menkhaus) stieß, der eigentlich für die Malerin
Jacqueline (Ruth Kues) Modell stehen sollte. Hier kam es zu ersten
vergnügten Ausbrüchen in den Reihen des Publikums.
Während Karin Schwarz die Klavierlehrerin hervorragend als biedere Person
in Mimik und Gestik verkörperte, gelang es Bob Menkhaus den
draufgängerischen und von sich überzeugten Mann zu spielen, der
außerdem Mut zu Posen zeigte.
Jacqueline hingegen hielt den braven Bernard (Ulrich Tryzna), der eigentlich
die Wohnung der ehemaligen Revuetänzerin Georgette Brisdeau (Urte Paddags)
mieten wollte, für ihr Modell.
Ulrich Tryzna band auch hier sein Talent fürs komische sowie seinen
trockenen Humor mit ein. Als sich dann herausstellte, daß er nicht
richtig war, fiel der schüchterne Klavierschüler Jean (Heiko
Hillebrecht), in die Arme der temperamentvollen Malerin. Inzwischen war es
soweit, daß die Lachmuskeln der Zuschauer erheblich strapaziert waren.
Mit unnachahmlicher Lebendigkeit hat Ruth Kues die Rolle der Malerin
verkörpert, sofort hatte sie die Sympathie des Publikums auf ihrer Seite.
Hier sei außerdem erwähnenswert, daß Heiko Hillebrecht seine
Rolle innerhalb weniger Tage gelernt hat, da er kurzfristig für den
erkrankten Wolfgang Hesse eingesprungen ist.
Das Dienstmädchen Berthe (Birgit Glatz), erlebte das Chaos und die Kapriolen
ihrer Mitbewohnerinnen eher ruhig, sie wartete auf ihren Mann, den sie per
Annonce kennen lernen wollte. Ein wenig Naivität und Gutgläubigkeit,
die Birgit Glatz hervorragend brachte, gaben ihrer Rolle einen besonderen
Glanzpunkt.
Doch bevor der anständige Bertrand (Michael Müller) ihr in die
Arme fiel, geriet er an die Klavierlehrerin und an Georgette. Urte Paddags
verstand es vorzüglich, in ihrer etwas burschikosen Art, das Publikum
zu amüsieren. Als etwas ausgeflippte, verblasste Tänzerin servierte
sie ein präzises Spiel gepaart mit Sprechkunst.
Mit anfänglicher Zurückhaltung und nach einigen Gläschen
Chartreuse (einer der berühmtesten Kräuterliköre der Welt)
eher aufdringlichen Art setzte sich Michael Müller in Szene.
Die Facette des Mündener Theaters ist mit diesem Stück einmal mehr
geprägt. Die Darsteller präsentierten sich in Höchstform.
Die Texte saßen perfekt, ebenso die Einsätze. Man kann von
prägnanten Rollenverkörperungen sprechen. Wer diese Truppe leibhaftig
gesehen hat, wird jegliche Vorbehalte gegen Laienschaulspieler vergessen.
Das Publikum honorierte die Leistung mit lang anhaltendem Applaus und Bravorufen.
Hinter den Kulissen arbeiteten Dagmar Niemeyer (Regie), Barbara Jünemann
(Regieassistenz und Souffleuse), Andreas Rieke (Technik), Lars Bücker
(Musik), Heike Zimmermann und Traudel Maaßen (Kostüme), Carsten
Timm und Team (Bühnenbau) und Nicole Wieninger (Plakat).
(Petra Siebert)
Georgette (Urte Paddags) soll Spartacus (Bob Menkhaus) eine Massage
verpassen. (Foto:Siebert)
Quelle: "Hessische Niedersächsische
Allgemeine" vom 26.02.2001

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