Drei-Flüsse-Theater Münden e.V.

Perfektionisten auf der Bühne - Idealisten im Alltag

Im Gespräch mit Mitgliedern des Drei-Flüsse-Theaters

Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einer Bühne, vor sich ein schwerer samtener Vorhang, der sich langsam öffnet. Und dann stehen Sie im Rampenlicht, der Spot fällt auf Ihr Gesicht und hundert Zuschauer warten auf Ihren ersten Satz.

Die einen mögen bei dieser Vorstellung schleunigst die Flucht ergreifen, anderen hingegen treibt nur der Gedanke an eine solche Situation die Vorfreude ins Gesicht. Als "ultimativen Kick" beschreibt der Regisseur des Mündener Drei-Flüsse-Theaters, Henning Wende, dieses Gefühl. Sie alle leben davon, im Rampenlicht zu stehen, sie brauchen Beifallsstürme und Erfolge. Im normalen Leben gehen die meisten Akteure der Theatergruppe regelmäßigen Verpflichtungen im Berufsalltag nach, studieren oder betreuen ihre Kinder. Doch wenn man sich zur Probe trifft, tauchen sie in eine neue, eine andere Welt ein und laben sich an dem unschlagbaren Gefühl des Miteinanders.

Sie leben für ihr Hobby - die Schauspielerei.
"Igelfrau" Caren Rettberg bereitet sich gerade auf ihre Rolle im neuen Stück des Drei-Flüsse-Theaters vor. Um bei den Aufführungen, die alle am Vormittag stattfinden, dabei sein zu können, nehmen die beteiligten Akteure bis zu 4 Tage Urlaub im Jahr.

In diesen Tagen haben sie die Hälfte aller Vorstellungen zur Aufführung des Adventsmärchens "Der Hase und der Igel" hinter sich und ziehen eine erste Bilanz: "Man kann die Reaktionen der Kinder niemals genau vorherbestimmen. Der Hase ist in unserem Stück der Böse und es gab Vorstellungen, da wurde er von den Kids ausgebuht", resümiert Wende. Er führt zum zweitenmal bei einem Märchenstück Regie, wirkt aber schon seit mehr als sechs Jahren im Drei-Flüsse-Theater als Schauspieler mit.

So friedlich er auch schaut: Der Hase (Ariane Nickl) spielt im aktuellen Stück des Drei-Flüsse-Theaters die böse Rolle.

"Märchen spielen eine Sonderrolle in der Schauspielerei", weiß der Physikstudent, der momentan selbst an einem Stück schreibt. Seinen schauspielerischen Schwerpunkt setzt er auf die Umsetzung  kindgerechter Stücke. Bei den Proben kommt es vor, dass der sympathische Mittzwanziger schonmal selbst aktiv wird, in die ein oder andere Rolle schlüpft und den Akteuren zeigt, wie sie sich in ihre Aufgabe finden. "Ganz wichtig ist Natürlichkeit", beschreibt Wende die Grundeigenschaft eines Schauspielers.

Und obwohl die Aufführungen der Gruppe immer ausverkauft sind, wirft die Bühnenarbeit kaum Geld ab. Miete, Tantiemen und Requisiten brauchen alle Einnahmen auf - die Schauspieler verdienen nichts. Im Gegenteil: Für die Aufführungen, die am Vormittag stattfinden, müssen die meisten Akteure sogar Urlaub nehmen, da die Vorstellungen sonst nicht stattfinden könnten. Bis zu vier Tage gehen dabei pro Jahr drauf.

"Für mich sind Märchen ein Ideal. Man kann den Kindern spielerisch und fantasievoll etwas zeigen. Mann kann ihnen lehren und dabei eine Richtung zeigen. Für mich ist die Schauspielerei und die Regieführung zu einem besonderen Punkt in meinem Leben geworden. Ich werde auf jeden Fall weitermachen"

Henning Wende

Doch das ist es den Aktiven wert. "Wir stehen immer auf der Bühne, auch mit 40 Grad Fieber", tönt es bei der Vorbesprechung aus den Reihen. Und wenn man sie gemeinsam am Mittagstisch sitzen sieht, weiß man auch warum: Hier lässt keiner den anderen hängen, hier wird alles gemeinsam gemacht. Man hat ein Stück Gemeinsamkeit entdeckt und hat sich von der gleichen Lust anstecken lassen: Das Bühnenfieber!

Das Drei-Flüsse-Theater sucht immer wieder neue Gesichter und begeisterte Mitspieler. Wer Lust und Laune hat, selbst einmal auf den Brettern, die die Welt bedeuten zu stehen, oder gerne das Theater hinter den Kulissen unterstützen möchte, sollte sich bei Dagmar Niemeyer unter Tel. 05541/8556 melden.

(sus)

Quelle: Mündener Rundschau vom 12.12.2004